Die ersten deutschen Kolonien im Südkaukasus entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Anfang markierte 1819 Helenendorf, heute Göygöl. Kurz darauf folgte die Kolonie Annenfeld nahe dem Fluss Schamchor, anschließend 1888 Georgsfeld, 1902 in Mekseewka, 1906 Grünfeld sowie Eigenfeld, 1912 Traubenfeld und 1914 in Elisavetinka.

Die Gründungen gingen auf eine Initiative des Zaren zurück – er lud rund 500 Familien landloser Bauern aus dem Königreich Württemberg dazu ein, sich eine neue Heimat in dem zum Russischen Reich gehörigen Aserbaidschan aufzubauen. Die Übersiedlung verlief erfolgreich – die Neuankömmlinge, die hauptsächlich Wein und darüber hinaus Reis, Tabak und Baumwolle anbauten oder als Schuhmacher, Schneider, Schmiede oder Tischler tätig waren, erwarben Vermögen und Ansehen.
Gefördert von Aserbaidschan

Die positive Entwicklung der Kolonien wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen – viele deutsche Familien wurden trotz Protesten der aserbaidschanischen Bevölkerung nach Sibirien verbannt. Kurzfristig zum Ende kam die Deportation 1917 durch die Auflösung des russischen Imperiums 1917 und die Bildung des unabhängigen Aserbaidschan. Dessen Nationalregierung trat für den Schutz aller nationalen Minderheiten ein. So war auch ein Sitz im Parlament einem Vertreter der deutschen Kolonien vorbehalten. Infolge der deutlichen Unterstützung von aserbaidschanischer Seite kehrten die deportierten deutschen Familien zurück. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Zahl der Deutschen auf über 13.000 und 1919 wurde der 100. Jahrestag der Gründung von Helenendorf gefeiert. In der Folge kam es zu einer weiteren Blüte der deutschen Kolonien. Unterstützt von der aserbaidschanischen Regierung bildete sich der Transkaukasische Deutsche Nationalrat und die Siedler errichteten u.a. Schulen, Kirchen sowie Kulturstätten. Zudem studierten Söhne wohlhabender Kolonisten an den Hochschulen in Baku.
Enteignet von Moskau

1920 eroberten die Sowjets Aserbaidschan. Die nun einsetzende Verstaatlichung führte auch zur entschädigungslosen Enteignung der deutschen Kolonien. Als Reaktion darauf gründeten die einst vermögenden Familien Produktionskollektive. Das Kollektiv „Concordia” erwies sich als so erfolgreich, dass es sogar Verkaufsstellen in der ganzen Sowjetunion einrichten konnte. Dies wurde in Moskau nicht gern gesehen – Repressionen folgten. Zunächst wurden 1929 die Kollektive gewaltsam in Kolchosen integriert, 1935 per Gericht deren „Schädlichkeit“ festgestellt und nahezu alle führenden „Concordia”-Mitarbeiter verhaftet. Drei Jahre später Unterricht in deutscher Sprache verboten, in die Häuser verhafteter oder vertriebener Deutscher andere Nationalitäten einquartiert und die deutschen Dorfnamen annulliert.

Dies alles führte zu einer weit verbreiteten Emigrationsbereitschaft. Viele, die nicht rechtzeitig ausreisten, wurden von Moskau als Konterrevolutionäre verhaftet, in Lager geschickt oder hingerichtet. Im Oktober 1941 lebten noch 20.000 Deutsche in Aserbaidschan. Fast alle wurden deportiert. So betrug die Zahl der Deutschen in Aserbaidschan laut Volkszählung von 1979 nur noch 1.048. Nach Auflösung der Sowjetunion sind auf Einladung der Bundesregierung viele Deutsche von Aserbaidschan nach Deutschland übergesiedelt.

Deutschland und Aserbaidschan heute

Aserbaidschan ist bereits heute eine der wichtigsten Erdöl-Lieferanten für Deutschland. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bei der Gas-Versorgung wird nunmehr auch dazu führen, dass beide Länder auf kulturellem, sportlichem und nicht zuletzt auch politischem Gebiet näher zusammenrücken werden. Aserbaidschan, das erst im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion vor gut 20 Jahren seine Unabhängigkeit erhalten hat, hat sich immer für eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU auf allen Gebieten ausgesprochen. Aserbaidschan begreift dies als eine Chance, bei der wir Deutschen helfen sollten, zumal nur eine länderübergreifende Zusammenarbeit Vertrauen schafft, von dem letztlich die Menschen in beiden Ländern profitieren. Für die deutsche Wirtschaft bieten die stark wachsenden Investitionen Aserbaidschans in Infrastrukturmaßnahmen außerordentlich gute Perspektiven, da deutsche Unternehmen, gerade auch mittelständische Betriebe, einen besonders guten Ruf  im Land haben.