Römer, Sassaniden, Araber, Seldschuken, Mongolen, … die Geschichte Aserbaidschans ist mit zahlreichen Eroberungen durch verschiedenste Völker und mit historisch bedeutenden Namen wie Alexander dem Großem und Pompeius verbunden. 

Als Schnittpunkt der Karawanenwege für den Handel zwischen Orient und Abendland wurde das Land zur Nahtstelle einer Vielzahl an Zivilisationen und Kulturen. Aserbaidschan war bereits lange vor Beginn der Antike besiedelt. Dies belegen zahlreiche Funde, u.a. die teils rund 10.000 Jahre alten Felszeichnungen von Qobustan und die ca. vor 7.000 Jahren erbauten Lehmhäuser von Nachtschywan.
Antike

900 v. Chr. kam es in Aserbaidschan zur ersten nachweislichen Staatsgründung durch die Mannäer. 2 Jahrhunderte später wurde der Staat Mannai zunächst von den Medern erobert, die wiederum den Persern weichen mussten. 330 v. Chr. unterwarf Alexander der Große das Perserreich. In der Folge entstanden zwei Staaten: „Atropatene“ im Süden und „Albania“, benannt nach den damals dort lebenden Albanern, im Norden des heutigen aserbaidschanischen Staatsgebiets. 65 v.Chr. fiel Albania durch den Feldherrn Pompeius an Rom.

Im 3. Jahrhundert n. Chr. schließlich gelangte ganz Aserbaidschan unter die Herrschaft des zweiten antiken persischen Großreichs. Mit den Persern etablierte sich auch eine neue Staatsreligion: Verehrt wurde als einziger Gott und Schöpfer der Lichtgott Zarathustra. Die auf seinen Altären brennenden Feuer wurden schon damals durch Petroleum gewonnen. Der Einfluss des Christentums wiederum erfolgte zunächst über Armenien, das den nördlichen Teil Aserbaidschans missionierte.

Mittelalter

Nach einer rund 50 Jahre dauernden Friedensperiode in Albania wurde es 643 durch die Araber erobert. Es folgte die Entchristianisierung des Landes im Namen Allahs. Unter der Führung des Nationalhelden Babek kam es ca. 2 Jahrhunderte später zum Aufstand. Dieser wurde zwar nach 20 Jahren aufgelöst, dennoch wurde der arabische Herrschaftsbereich durch die Ausbildung autonomer Fürstentümer eingeschränkt.

Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die Araber durch einen Zusammenschluss einwandernder turksprachiger Stämme und der türkischen Dynastie der Seldschuken besiegt. Die kulturellen Grundlagen für das heutige Aserbaidschan entstanden: die Mischung des Türkischen mit den Sprachen alteingesessener Stämme führte zum Aserbaidschanischen. Das bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts währende erste „Goldene Zeitalter“ führte zu beispielhaften Leistungen in Architektur, Kunst und Literatur. Der Blütezeit ein Ende setzten die ab 1220 einfallenden Mongolen, die bei ihren bis ins 14. Jahrhundert anhaltenden Eroberungen schwere Verwüstungen hinterließen.

Neuzeit

Das 16. Jahrhundert war wiederum, abgesehen von einer kurzzeitigen Eroberung durch die Osmanen, durch die Herrschaft der Perser mit ihrer Dynastie der Safawiden geprägt. In diese Periode fällt auch das zweite „Goldene Zeitalter“, in dem u.a. der Nationaldichter Memed Füzuli die aserbaidschanische Literatursprache auf höchstes Niveau brachte.

Schon bald dem Tod des letzten Safawiden-Herrschers und einer wieder erstarkten Autonomie der Fürstentümer ab 1747 wurde Aserbaidschan zum Spielball von Persien und Russland. Nach drei Kriegen endete die Auseinandersetzung der Großmächte mit einer Teilung Aserbaidschans – in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fiel der Norden an die Russen, der Süden an die Perser. Die Grenzlinie bildete der Fluss Araz, der auch heute noch die Grenze zwischen Aserbaidschan und dem Iran markiert.

Russifizierung und Sowjetherrschaft

Mit Ausnahme des 50-jährigen Kaukasuskrieges, der 1864 beendet wurde, war die Russifizierung nicht von kriegerischen Konflikten begleitet. Alte Fürstentümer wurden teils in den russischen Reichsadel aufgenommen, die Verwaltungsstruktur neu geordnet und die Leibeigenschaft aufgehoben. Einer der schwersten Eingriffe bezog sich auf die eigenständige Kirche der christlichen Albaner. Diese wurde der armenischen gregorianischen Kirche untergeordnet.

Besondere Bedeutung gewann das in der Umgebung von Baku befindliche Erdöl, dessen wirtschaftliche Rolle erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erkannt wurde. So trugen die Ölfelder von Asberon 1898 ca. 95 % zur russischen und 50 % zur weltweiten Erdölproduktion bei. Bakus Aufstieg zu einer Industriemetropole begann: die Bevölkerung wuchs im Zeitraum 1863 bis 1914 von 14.000 auf 250.000 Einwohner, zahllose Unternehmen, Händler und Arbeiter siedelten sich an.

Infolge der Oktober-Revolution ergriffen 1920 auch in Aserbaidschan die Bolschewiki die Macht – das Ende der 2-jährigen Demokratischen Republik Aserbaidschan, die weltweit als erste muslimisch geprägte Republik das Frauenwahlrecht eingeführt hatte. Es folgten insgesamt 70 Jahre sowjetischer Herrschaft. Charakterisiert durch Härte gegenüber aserbaidschanischen Eigenheiten in Religion, Kultur und Sprache, begleitet von Internierung und Verfolgung national ausgerichteter Oppositioneller. Erst mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 wurde Aserbaidschan wieder ein souveräner Staat.

Neuanfang und aktuelle Situation

In der jungen Republik Aserbaidschan vollzogen sich zunächst tiefgreifende Reformen in der Innenpolitik. Dazu zählten optimierte rechtliche Rahmenbedingungen für den Aufbau der Marktwirtschaft, flankiert u.a. von Maßnahmen zum Investitionsschutz und zur Stabilisierung des Finanzsektors.

Ein Jahrhundertvertrag mit internationalen Mineralölkonzernen inkl. Realisierung einer eigenen Pipeline führte zu einer deutlichen Konjunkturbelebung. In der Außenpolitik konzentrierte man sich darauf sowohl russischen als westlichen Interessen entgegen zu kommen. 2001 erfolgte die Aufnahme Aserbaidschans in den Europarat – ein weiteres Zeichen der Anerkennung.

Präsident von Aserbaidschan ist nach dem Rückzug von Heydar Aliyev seit 2003 sein Sohn Ilham Aliyev, der auch bei den Wahlen 2008 in seinem Amt bestätigt wurde. Er ist außenpolitisch prowestlich ausgerichtet und kann folglich auf die wirtschaftliche und politische Kooperation des Westens vertrauen. Während seiner Amtszeit hat sich Aserbaidschan weiterhin als zuverlässiger Energielieferant etabliert. Ungelöst ist der Konflikt um die an Armenien verlorene Region Nagorny Karabach trotz Bemühungen der OSZE und wiederholten Treffen der Präsidenten von Aserbaidschan und Armenien.